Mitarbeiterumfrage zum Thema: - Hat sich das Rauchverbot in Gaststätten bewährt?
Seit 1. Januar ist in Bayern ein striktes Rauchverbot in Gaststätten in Kraft. Raucher frönen dem Glimmstengel nun draußen vor der Tür oder in reinen Raucherclubs. Mittlerweile ist in Festzelten das Rauchen wieder erlaubt und weitere Ausnahmen werden diskutiert. Was halten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums Nürnberg vom Rauchverbot in Gaststätten?
Michael Büttner (28), Sekretär im Sozialdienst im KNS, seit zwei Jahren im Klinikum:
Als Nichtraucher bin ich froh, dass meine Kleider nach einem Gaststättenbesuch nicht mehr nach Rauch riechen und ich meine Haare nicht gleich waschen muss, wenn ich nach Hause komme. Wenn es nach mir ginge, sollte das Rauchen in Restaurants grundsätzlich verboten sein, in Kneipen dagegen nicht. Damit wäre beiden Seiten gedient. So generell geht mir das Rauchverbot zu weit.
Andrea Skala (34), Gesundheits- und Kinderkrankenschwester in der Geburtshilfe (C.EG 3-4) im KNS, seit 18 Jahren im Klinikum:
Ich gehe zwar nicht so oft weg, aber ich finde es gut, dass man im Restaurant nicht mehr rauchen darf. Auf dem Oktoberfest, im Bierzelt oder in reinen Kneipen dagegen kann doch eigentlich jeder davon ausgehen, dass geraucht wird. Die machen doch sonst kein Geschäft mehr. Ich muss ja nicht unbedingt ins Bierzelt gehen, wenn mich der Rauch stört.
Hermann Hösch (54), Supervisor und Coach im CeKIB im KNN, seit 16 Jahren im Klinikum:
Ich bin Raucher und damit quasi ein Experte mit Feldkompetenz. Bei mir hat sich seit der Einführung des Rauchverbots nichts geändert. Ich gehe deswegen nicht häufiger und auch nicht seltener in die Wirtschaft. Ich finde es allerdings gut, wenn Menschen rauchfrei essen können. Das Zurückrudern der Staatsregierung halte ich aber für einen populistischen Bocksprung. Man hätte von Anfang an mehr Differenzierung in das Gesetz einarbeiten und sich dann konsequent daran halten sollen.
Willi Brandl (54), Trockenbauer bei einer Fremdfirma im KNS:
Das Rauchverbot in Gaststätten, bei denen es etwas zum Essen gibt, finde ich sehr gut. Wo kommen wir denn hin, wenn ich nicht mehr unterscheiden kann, ob jetzt das Knöchla auf meinem Teller raucht oder mein Nachbar. Dem Jammern der Wirte schenke ich keinen Glauben. Im Gegenteil, die machen doch mehr Umsatz als zuvor, weil jetzt mehr Nichtraucher wieder in die Kneipen gehen.
Dr. Jürgen Beck (52), Oberarzt der Anästhesiologie und OP-Manager im KNN, seit 14 Jahren im Klinikum:
Ich bin Raucher und rauche ganz gerne und das mit Genuss. Trotzdem ist es klar, dass die Freiheit des Rauchers dort zu enden hat, wo die Freiheit des Nichtrauchers tangiert wird. Also rauche ich in Gaststätten nach dem Essen vor der Tür. Das ist inzwischen ein äußerst geselliger und kommunikativer Ort. Man kommt mit vielen Menschen ins Gespräch. Das Aufweichen der strikten Gesetzgebung halte ich für ein Kasperltheater. Das ist eine Form des Populismus, die dem Ansehen der Politik eher schadet.
Dominik Schmitt (26), Assistenzarzt in der Neurologie (B.EG 6) im KNS, seit vier Monaten im Klinikum:
Als Nichtraucher gehe ich jetzt auch nicht öfter weg als vorher. Einmal war ich in einer Gaststätte, die vorher immer verqualmt war. Das war schon angenehm, die fränkische Brotzeit ohne Rauch genießen zu können. Bei mir in der Südstadt machen jetzt immer mehr Raucherclubs auf. Ich finde es nicht gut, die strikte Gesetzgebung aufzuweichen und zurückzurudern. Man hätte die Bevölkerung an den Ist-Zustand gewöhnen und eine Kultur des Nichtrauchens etablieren sollen.
Brigitte Aubaret (57), Sekretärin im Centrum für Pflegeberufe (CfP), seit zwölf Jahren im Klinikum:
Ich bin Nichtraucherin, aber meiner Meinung nach hat sich das Rauchverbot nicht bewährt. In Speiselokalen ist es in Ordnung, aber in Kneipen oder Sportgaststätten geht doch die Gemütlichkeit verloren, wenn die Hälfte der Gäste in regelmäßigen Abständen vor die Türe geht. Ich kann doch auch als Nichtraucher ein Lokal verlassen, wenn mich der Qualm stört. Ich muss ja nicht sitzen bleiben, das ist meine freie Entscheidung. Ich finde das Rauchverbot in der jetzigen Form für übertrieben.
Diakon Willy Reiß (56), Gesundheits- und Krankenpfleger in der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie (20 II re.) im KNN, seit 22 Jahren im Klinikum:
Vor 30 Jahren habe ich noch geraucht. Damals hätte ich es mir nicht vorstellen können, in einer Gaststätte zu sitzen, ohne dabei zu rauchen. Heute bekomme ich massive Kopfschmerzen, wenn in der Kneipe geraucht wird. Daher begrüße ich das Rauchverbot. Man hätte es aber nicht in der Strenge von heute auf morgen einführen sollen. Den Unmut, der dadurch entstanden ist, hätte man sich sparen können.
Autorin/Autor: Bernd Siegler

