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Tuberkulose - Neue Tuberkulose-Spezialstation im Klinikum

2,2 Milliarden Menschen tragen das Bakterium in sich. Mit über 9 Millionen Fällen weltweit ist sie die häufigste Infektionskrankheit. In der Statistik der Todesursachen der Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt sie mit zwei Millionen Todesfällen den siebten Rang ein: Tuberkulose. Die früher weit verbreitete Lungenschwindsucht geht weltweit zwar zurück, trotzdem erkrankten in Deutschland im Jahr 2006 5.402 Menschen neu daran. Allein in Nürnberg waren es über 60.

?Wir können die Krankheit heute in den meisten Fällen heilen?, berichtet Prof. Dr. Joachim Ficker, Chefarzt der Pneumologie. Doch die Behandlung ist kompliziert und langwierig. Zwischen sechs Monaten und zwei Jahren kann es dauern, bis der Patient wieder gesund ist. Doch trotz guter Medikamente gibt es immer wieder schwere Verläufe, bei denen eine Heilung nicht möglich ist. Davon betroffen sind vor allem alte und kranke Menschen wie z.B. Tumor- oder HIV-Patienten, deren Immunsystem den Tuberkulosebakterien nicht genügend entgegensetzen kann.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass die Erkrankung oft erst spät erkannt wird.  ?Viele Ärzte sind mit den Symptomen der Tuberkulose nicht mehr vertraut, weil die Krankheit so selten geworden ist?, erklärt Ficker. Deshalb kommen immer häufiger Patienten mit einer bereits fortgeschrittenen Tuberkulose in die Klinik. Dann ist oft nicht nur die Lunge betroffen, sondern die Krankheit hat sich schon auf andere Organe wie Knochen, Nieren und Lymphknoten ausgebreitet. Bis die Therapie dann Erfolge zeigt, dauert es in der Regel lange.

Gefürchtet sind außerdem Tuberkulosebakterien, die sich gegen die herkömmlichen Tbc-Medikamente als unempfindlich erweisen. Die Resistenzen entstehen oft in armen Ländern mit unzureichender Gesundheitsversorgung. Viele Menschen in Risikogebieten wie Afrika oder Teilen Asiens und Osteuropas haben keinen Zugang zu Medikamenten oder werden nur unzureichend behandelt. Werden die Medikamente zu früh abgesetzt, weil der Vorrat nicht reicht oder sie zu teuer sind, können sich resistente Keime entwickeln. Besucher und Touristen bringen diese dann mit nach Deutschland. ?Dann bleiben uns nur noch wenige spezielle Reserveantibiotika, die sehr genau dosiert werden müssen, auch wegen der Nebenwirkungen?, erklärt der Chefarzt.

Für Tbc-Patienten mit ?offener?, also mit ansteckender Tuberkulose gelten strenge Verhaltensregeln, damit sie andere nicht anstecken. Doch Ficker will die Ansteckungsgefahr nicht dramatisieren: ?Man muss mit dem Erkrankten schon längere Zeit in geschlossenen Räumen sein, um sich anzustecken.? Deshalb werden die Patienten auf der Spezialstation mit ihren zwölf Einzelzimmern im Klinikum Nord, die im Dezember 2007 eröffnet wurde, auch nicht isoliert. Sie dürfen Besuch empfangen oder auf dem Gelände des Klinikums spazieren gehen. Ein Besuch in der Cafeteria ist ihnen allerdings untersagt, ebenso wird Kindern und schwangeren Frauen der Zugang verwehrt. Das Infektionsrisiko ist dann einfach zu hoch.

?Wir schulen unsere Patienten ausführlich?, erläutert Stationsarzt Dr. Michael Fischer. ?So gut wie alle halten sich an die Regeln, schließlich wollen sie ja andere nicht anstecken.? Bis zu 100 Tbc-Patienten werden in der Pneumologie jedes Jahr behandelt, stationär wie ambulant. Die Patientenzahlen steigen dabei kontinuierlich an, hat sich die Klinik doch überregional einen guten Ruf als Tuberkulosezentrum erworben.

Dass der Tuberkulose der Ruf einer Arme-Leute-Krankheit anhaftet, verstehen weder Ficker noch Fischer. Es kann Reiche wie Arme, Ausländer und Einheimische treffen. Rund ein Drittel der Erkrankten stecken sich bei ihrem Aufenthalt in einem Tuberkulose-Risikogebiet an, die anderen infizieren sich hier in der Region. Das restliche Drittel der Erkrankten stellen neben alten und kranken Menschen auch Menschen mit einem Gendefekt, der die körpereigene Abwehr gegen Tuberkulosebakterien schwächt.

Einen zuverlässigen Impfstoff gegen die ansteckende Krankheit gibt es noch nicht. Der bisherige Impfstoff wird von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts nur für Risikogruppen empfohlen, da er nicht 100-prozentig zuverlässig ist und zudem Nebenwirkungen zeigt. Doch die Forschungen für neue Impfstoffe laufen. Die Pneumologie des Klinikums beteiligt sich in Kooperation mit Universitätsinstituten in Ulm und Erlangen aktiv daran. ?Vielleicht?, träumt Ficker, ?lässt sich die Tuberkulose in ein paar Jahren mit einem gut verträglichen Impfstoff weltweit ausrotten.?

Tbc-Station

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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