Radiologie - Verlustbehaftete Bildkompression
In der Radiologie spielt die Digitalisierung von Bildern heute eine beherrschende Rolle. Die Zeiten, in denen Röntgenfilme vor einem Schaukasten betrachtet wurden, gehören zusehends der Vergangenheit an. Egal ob es sich um Röntgenaufnahmen, Bilder aus dem Kernspin (MRT) oder der Computertomografie (CT) handelt - digitalisierte Daten sind schnell verfügbar und können sicher archiviert werden. Doch die Digitalisierung verlangt nach neuen Lösungen, denn mit dem modernen Stand der Technik sind gigantische Datenmengen verbunden. So aufschlussreich für den Mediziner etwa die Kernspin-Aufnahmen des Gehirns bei einer Tumorerkrankung eines Patienten sind, so groß ist das Datenvolumen der digitalisierten Bilder.
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Vor sechs Jahren begann das Klinikum Nürnberg unter der Leitung von Privatdozent Dr. Reinhard Loose, Chefarzt der Radiologie im Klinikum Nord, mit der Digitalisierung: „Bereits heute haben wir mehr als 20 Millionen Bilder im Archiv. Und darunter sind Bilder mit Datenmengen, die für den Versand über normale Telekommunikationsnetze einfach zu groß sind“, berichtet Loose. Zunehmend diskutieren Experten daher die so genannten verlustbehafteten Bildkompressionen, die einen großen Einfluss auf die Bildarchivierung und vor allem auf die Übertragung in Netzwerken haben. Patientenaufnahmen werden demnach nicht mehr vollständig übertragen, sondern so bearbeitet und komprimiert, dass sie z.B. zwischen Kliniken versendet werden können und trotzdem für eine eindeutige Diagnostik geeignet sind. |
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Je nach Organ und Untersuchungsgerät kann dies in unterschiedlichen Kompressionsstufen erfolgen. So liegt zum Beispiel die empfohlene Kompression einer CT-Aufnahme des Gehirns bei einem Verhältnis von 1 zu 5. Loose schätzt, dass bei einem großflächigen Einsatz der Bildkompression nur noch etwa zehn Prozent der sonst üblichen Speicherkapazität und Übertragungszeit erforderlich wären. Die Datenmenge im Klinikum könnte damit also von aktuell rund 30 Terabyte (das entspricht 30.000 Gigabyte) pro Jahr auf rund drei Terabyte reduziert werden.
"Ein unschätzbarer Vorteil", betont der Chefarzt, "der sich nicht nur im Zeitalter der Telemedizin und fachlichen Vernetzung von Kliniken über mehrere Standorte rechnet, sondern auch in der Archivierung." So sind Plattenspeicher im Archiv nicht nur teuer, sondern sie erfordern auch einen hohen Verbrauch an Strom und Wasser.
Juristische Unsicherheiten wie auch die Furcht vor einem Verlust der diagnostischen Aussagekraft verhinderten bislang den systematischen Einsatz der Bildkompression in Deutschland. Auf Initiative von Loose und Dr. Michael Wucherer, dem Leiter des Instituts für Medizinische Physik im Klinikum, diskutierten nun führende Experten in einer so genannten Konsenskonferenz das Für und Wider der Technologie. "Unser Ziel war es", erläutert Wucherer, "mehrheitlich klare Richtlinien für den Einsatz der Bildkompression zu verabschieden."
Dieses Ziel wurde erreicht. Die Teilnehmer einigten sich für jedes Organ und jedes bildgebende Verfahren auf Kompressionsstufen, bei denen es absolut sichergestellt ist, dass die diagnostische Aussagekraft erhalten bleibt. Die Ergebnisse der Konferenz werden allen Radiologen in Deutschland als Entscheidungsgrundlage dienen.Autorin/Autor: Axel Bredehöft

