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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 2 >> Nuklearmedizin - Mit radioaktivem Jod gegen heiße Knoten

Nuklearmedizin - Mit radioaktivem Jod gegen heiße Knoten

Bedenken hat Renate Müller* keine. Sie schreckt weder die Behandlung mit radioaktivem Jod, noch die stillen Tage auf der Isolierstation der Nuklearmedizin. Sechs Tage wird sie nun auf ihrem Zimmer sein, nur von kurzen Besuchen der Ärzte und Pflegekräfte unterbrochen. ?Ich freue mich auf die Tage mit mir allein?, erzählt sie. ?Ich werde lesen und lange mit den Freundinnen telefonieren, die ich nur selten sehe.?

Die 66-jährige ehemalige Ärztin leidet seit fünf Jahren an einer Überfunktion der Schilddrüse. Dabei verursachen sogenannte heiße Knoten in der Schilddrüse eine gesteigerte Ausschüttung an Schilddrüsenhormonen. In der Folge kommt es zu einer Überaktivität vieler Körperfunktionen. Typische Symptome sind Schlaflosigkeit, Zittern und Schwitzen sowie Herzrhythmusstörungen. Zwar ließen sich Müllers Symptome durch die Einnahme von Medikamenten, die die Schilddrüsenfunktion hemmen ? den sogenannten Thyreostatika ? vorübergehend wirksam bekämpfen, doch litt sie zunehmend unter den Nebenwirkungen dieser täglichen Tabletteneinnahme.

Deshalb entschied sie ich für eine Radiojodtherapie. Über die Therapie hat sie sich vorab eingehend informiert. ?Die radioaktive Dosis ist so gering, dass ich keine gesundheitlichen Schäden fürchte.? Wie Müller entscheiden sich mehr als 400 Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion Jahr für Jahr für eine Radiojodtherapie in der Nuklearmedizin im Klinikum Nord. ?Zu wenige?, findet Oberärztin Dr. Irene Greil. Die Nuklearmedizinerin ist sich sicher, dass nicht alle Betroffenen um die Vorteile der Radiojodtherapie wissen. ?Wir können die heißen Knoten mit dem radioaktiven Jod aufspüren und unschädlich machen?, betont sie. Die lebenslange Einnahme von Medikamenten mit all ihren Nebenwirkungen entfällt.

 

Die ideale Therapie also, doch viele Menschen sind skeptisch. Sie fürchten die radioaktive Strahlung. ?Die Dosis ist völlig unbedenklich?, erklärt Greil. Nach fünf bis sechs Tagen ist die Strahlung weitgehend abgeklungen, die in dieser Dosierung keine Nebenwirkungen verursacht. Allenfalls trügen die Ärzte und Pflegekräfte der Station ein gewisses Risiko, da sie regelmäßig Kontakt mit den Patienten haben. Sie werden daher mit Hilfe eines Messgerätes ständig auf radioaktive Strahlung überwacht. ?Es wurde aber noch bei keinem Mitarbeiter ein Überschreiten der zugelassenen Grenzwerte festgestellt?.

Bei der Radio-Jod-Therapie machen sich die Ärzte die Fähigkeit der Schilddrüse zur Speicherung von Jod zunutze. Die ?heißen Knoten? nehmen dabei mehr radioaktiv angereicherten Jods auf als normale Schilddrüsenzellen. Sie können daher durch eine gezielte Radio-Jod-Gabe zerstört werden, während die gesunden Zellen überleben. Vor der Einnahme der Kapsel mit radioaktivem Jod steht die Bestimmung des sogenannten Radio-Jod-Uptake. ?Mit diesem Test können wir messen, wieveil radioaktives Jod wir einsetzen müssen, um die heißen Knoten zu zerstören?, erläutert Greil.

Nach Einnahme der Kapsel bleiben die Patienten aus Strahlenschutzgründen drei bis fünf Tage auf der Station. ?Sie dürfen ihre Zimmer in den ersten zwei Tagen nicht verlassen, danach sind kurze Spaziergänge bereits wieder möglich?, berichtet Greil. Darüber hinaus gelten für die gesamte Therapiestation strenge Strahlenschutzvorschriften. So kommen hier Einmal-Bettbezüge und Plastikbesteck zum Einsatz. Der gesamte Abfall wird ebenso wie das Abwasser aus Dusche und Toilette in eigenen Sammelbehältern aufgefangen und erst Wochen später nach Kontrollmessungen durch das Institut für Medizinische Physik in den normalen Hausmüll bzw. ins Abwasser gegeben. Die Radioaktivität ist dann so weit abgeklungen, dass sie keine Belastung mehr für die Umwelt darstellt und sich im Rahmen der natürlichen Radioaktivität bewegt.

*Namen von der Redaktion geändert     

Autorin/Autor: Doris Strahler

 
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