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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 2 >> Neurologie - Fortschritte in der Therapie von Multipler Sklerose

Neurologie - Fortschritte in der Therapie von Multipler Sklerose

Bundesweit sind etwa 130.000 Menschen an Multiple Sklerose (MS) erkrankt. Diese meist chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems tritt in etwa der Hälfte der Fälle vor dem 30.Lebensjahr auf und betrifft Frauen fast doppelt so häufig wie Männer. In der Klinik für Neurologie im Klinikum Süd werden pro Jahr rund 300 Patienten behandelt, die an Multiple Sklerose leiden.

Sinngemäß übersetzt bedeutet Multiple Sklerose ?vielerorts vernarbtes Gewebe?. Dies bezieht sich auf die gleichzeitig in Gehirn und Rückenmark an mehreren Stellen auftretenden Entzündungen, die narbiges Gewebe zurücklassen. Durch diese Entzündungen können Sehstörungen, Lähmungen, Kribbel- und Taubheitsgefühle vor allem in Armen und Beinen auftreten. Angesichts vieler Studien sowie neuer Medikamente rechnet Prof. Frank Erbguth, Chefarzt der Neurologie, mit baldigen weiteren Fortschritten in der Behandlung.

Etwas vereinfacht dargestellt vollzieht sich die häufig schubweise verlaufende Erkrankung in drei Schritten: ?Am Anfang steht eine Überreaktion des Immunsystems gegen Entzündungszellen im Blut?, erläutert Erbguth, ?diese überwinden in einem nächsten Schritt die so genannte Blut-Hirn-Schranke und dringen ins Gehirn ein. Dort kommt es dann wie im Rückenmark zur punktuellen Zerstörung der Nervenummantelung, der so genannten Mark- oder Myelinscheiden.? Diese fungieren als Isolierschicht der Nerven. Wird diese Schicht zerstört, können Nervenerregungen verlangsamt oder sogar völlig blockiert werden. 

Ein akuter Schub der Erkrankung wird weiterhin am Besten mit einem hochdosierten Stoß Kortison oder bei Versagen dieses Verfahrens mit einer Blutwäsche behandelt. Bei der Immuntherapie zur Verhütung weiterer Schübe und des Voranschreitens der MS sind in letzter Zeit einige Fortschritte erzielt worden. So ist seit eineinhalb Jahren ein Medikament im Einsatz, das als eigener Antikörper den Übertritt der Entzündungszellen vom Blut ins Gehirn zu verhindern hilft. ?Bei diesen Patienten kommt es?, so Erbguth, ?zu einer Abnahme der Krankheitsschübe um etwa zwei Drittel. Allerdings kann es zu Nebenwirkungen, wie etwa Allergien oder Leberstörungen, kommen.?

Die Dauer des stationären Aufenthalts bei Patienten, bei denen erstmals MS diagnostiziert wurde, liegt mittlerweile bei weniger als vier Tagen. Der Neurologie-Chefarzt  hält das ?in vielen Fällen für zu kurz, weil die Betroffenen gar nicht zum Innehalten und Nachdenken kommen?.

Gerade weil die Krankheitsverläufe bei MS so unterschiedlich sind, warnt Erbguth eindringlich vor einem einseitig negativen Bild in der Öffentlichkeit:  ?Viele haben gleich die Vorstellung vom drohenden Rollstuhl. Es gibt aber genug Beispiele von Patienten, die keine oder nur wenige Einschränkungen verspüren. Kürzlich behandelten wir eine 40-jährige Frau, die nachweislich seit dreizehn Jahren an MS erkrankt war, ohne dies überhaupt gemerkt zu haben.?

Zudem belegen wissenschaftliche Studien, dass Multiple Sklerose die Lebenserwartung kaum beeinträchtigt. Zwar ist die Erkrankung noch nicht heilbar, doch es wächst das Wissen über die immunologischen Vorgänge. So konnte neben einer Fehlsteuerung des Immunsystems nachgewiesen werden, dass bestimmte Erbanlagen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an MS zu erkranken.

Neurologie

Autorin/Autor: Axel Bredehöft

 
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