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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 2 >> Pflege in der Geriatrie - Greifbares Trinktraining

Pflege in der Geriatrie - Greifbares Trinktraining

Viele alte Menschen trinken zu wenig, insbesondere wenn sie an einer Demenz leiden. Ein Teufelskreis beginnt. Der Flüssigkeitsmangel beschleunigt die Demenz und je dementer die Menschen werden, umso mehr vergessen sie die Flüssigkeitszufuhr. Fachkrankenschwester Andrea Ottinger hat nun eigens ein ?greifbares Trinktraining? entwickelt. Kastanien sollen dabei alte Menschen animieren, zum Wasserglas zu greifen.

Seit Jahren ist Ottinger in der Geriatrischen Tagesklinik (GTK) mit dem Problem konfrontiert, dass Patienten mit einer leichten oder mittelgradigen Demenz oft das Trinken vergessen. Bislang mussten die Patienten in Trinkplänen selbst ankreuzen, wie viel sie getrunken hatten. ?Die Fähigkeit zum Schreiben geht bei einer Demenz sehr schnell verloren, und etwas Gelesenes umzusetzen, scheitert oft am schlechten Kurzzeitgedächtnis?, stellte Ottinger fest.

Also entwickelte sie ein spezielles Trinktraining. Dazu erhalten die Patienten ein durchsichtiges Sammelglas, eine kleine Schlüssel mit zehn bis 15 Kastanien, ein Getränk nach Wahl und ein Trinkgefäß. Je nach den Fähigkeiten des Patienten ist dies eine Tasse, ein Glas oder ein leichter Kunststoffbecher. Ausführlich wird den Betroffenen dann erklärt, dass sie für jedes Glas, das sie sich eingießen und das sie trinken, eine Kastanie aus der Schüssel entnehmen und in das Sammelglas werfen dürfen. ?So kann der Betreffende selbst, aber auch das Pflegepersonal mit einem Blick erfassen, wie viel er an diesem Tag schon getrunken hat?, erläutert Ottinger.

 

Kastanien hat sie deshalb verwendet, weil sie vielen alten Menschen noch aus deren Jugend vertraut sind. Schritt für Schritt könne der Patient so lernen, selbst diesen ?greifbaren? Trinkplan zu führen. ?Der Erfolg der Maßnahme hängt jedoch?, so Ottinger, ?von der Wiederholung ab, aus dem Trinken soll ein Ritual werden.?

In der GTK machte die Fachkrankenschwester mit dem Trinktraining sehr gute Erfahrungen. Im Rahmen der Gerontopsychiatrischen Fortbildung, die in die Weiterbildung Psychiatrie integriert ist, testeten Ottinger und die Krankenschwestern Malgorzata Brand, Sabine Brohm und Mathilda Erk im Rahmen einer Projektarbeit dieses Modell auf seine Eignung für eine geriatrische Akutstation. Schließlich sind dort die Patienten in der Regel nur höchstens ein bis zwei Wochen und leiden an mehreren Krankheiten gleichzeitig. Also setzten sie den Trainingsplan in den geriatrischen Akutstationen im Klinikum ein. ?Bei Patienten, die noch mobil sind und an einer noch nicht fortgeschrittenen Demenz leiden, ist das Training erfolgreich?, erläutert Brand. ?Mit so einfachen Mitteln wie Kastanien kann man sehr viel erreichen?, fügen Brohm und Erk hinzu.

Sie stellten das Trinktraining und ihre Projektarbeit auch beim Psychiatrischen Fachtag vor, der von der Psychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie vom Centrum für Kommunikation, Information und Bildung des Klinikums veranstaltet wurde. Die rund 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland zeigten sich sehr angetan von diesem einfachen, aber wirkungsvollen Trinktraining.       

 

Geriatrie    

Autorin/Autor: Bernd Siegler

 
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