Geriatrie - Preis für Studien zur Mangelernährung
Während Übergewicht als Risikofaktor in aller Munde ist, werden die gesundheitlichen Folgen einer Mangelernährung im Alter kaum thematisiert. Dabei ist Mangelernährung bei alten Menschen ein weit verbreitetes Problem: Acht Prozent der Senioren im eigenen Haushalt, die Hälfte der alten Menschen, die in ein Krankenhaus eingewiesen werden und bis zu 60 Prozent der auf Langzeitpflege angewiesenen alten Menschen sind davon betroffen. ?Es wird höchste Zeit, das Thema Mangelernährung ins Bewusstsein zu rücken?, meint Dr. Jürgen Bauer, Oberarzt in der Geriatrie im Klinikum Nürnberg. Für seine Veröffentlichungen zu diesem Thema hat er den Ehrenpreis der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie bekommen.
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Seit Jahren schon erforscht Bauer, wie sich der Körper im Alter umbaut. ?Der Muskelschwund zwischen dem 30. und dem 80. Lebensjahr beträgt bis zu 40 Prozent, gleichzeitig wird mehr Fett aufgebaut?, erläutert der Oberarzt. Hormonelle Umstellungen, vielfältige Entzündungsvorgänge und falsche Ernährung wie zum Beispiel ein Mangel an Proteinen und Vitamin D unterstützen diesen körperlichen Abbau, an dessen Ende der Verfall der Funktionalität und damit die Gebrechlichkeit und das Ende der Selbstständigkeit stehen. Dieser Prozess ist, so Bauer, ?im Prinzip nicht umkehrbar und daher schicksalhaft, aber durch körperliches Training und eine entsprechende Ernährung positiv zu beeinflussen?. Seinen Forschungsschwerpunkt verlegte der Oberarzt darauf, diagnostische Kriterien herauszuarbeiten, anhand derer man diesen Abbauprozess im Alter frühzeitig erkennen kann. Gangstabilität, die Kraft in den Händen oder auch das Ausmaß der Erschöpfung nach körperlicher Belastung könnten solche Kriterien sein. Bauers Ziel ist es, die Anfälligkeit für das Abgleiten in den Verlust der Funktionalität zu bestimmen, um rechtzeitig die richtigen Maßnahmen einleiten zu können. |
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Da diesem Thema in Deutschland lange Zeit wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, organisierte Bauer diverse internationale Konferenzen mit Experten aus den USA und Europa. Heraus kam, dass die Gewichtsentwicklung des älteren Menschen zum großen Teil mit psychischen Problemen, mit dem Bewegungsverhalten und Stoffwechselstörungen sowie mit der Einnahme von Medikamenten zusammenhängt. ?Wer mehr als drei Medikamente einnimmt, isst meist deutlich weniger, weil sein Appetit vermindert ist?, erläutert der Geriater.
Seine Ergebnisse zur Diagnostik von Mangelernährung des älteren Menschen und zum Zusammenhang von Mangelernährung, dem Abbau von Muskelmasse und krankhafter starker Abmagerung veröffentlichte er in der renommierten Deutschen Medizinischen Wochenschrift. Daraufhin reagierte u.a. die Frankfurter Allgemeine Zeitung, und das ARD-Mittagsjournal interviewte den Oberarzt als Experten. Für seine beiden Publikationen erhielt er 2007 den Ehrenpreis der Rolf- und Hubertine-Schiffbauer-Stiftung, den wichtigsten Preis, den die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie alljährlich vergibt.Autorin/Autor: Bernd Siegler

