Frauenheilkunde - Nicht ohne meine Gebärmutter
Bei 279 Frauen wurde 2007 im Zentrum für Frauenheilkunde die Gebärmutter entfernt. ?Und jeder dieser Eingriffe war absolut notwendig?, sagt Prof. Cosima Brucker. Die Chefärztin der Frauenheilkunde weiß sehr wohl, dass dies nicht immer so war. Vor 20 oder 30 Jahren wurden viele so genannte Totaloperationen bei Frauen durchgeführt, vor allem bei Frauen in und nach den Wechseljahren. Ihnen wurden bei Blutungsstörungen oder Myomen oft sowohl die Gebärmutter wie auch die Eierstöcke entfernt. ?Die Gebärmutter stört doch nur in diesem Alter?, lautete eine damals weitverbreitete Meinung.
So einfach ist das heute nicht mehr. ?Das Frauenbild hat sich in den letzten Jahren gewandelt?, berichtet Brucker. Die Frauen sind selbstbewusster und informierter als früher. Und sie wollen ihre Gebärmutter behalten, auch wenn sie längst kein Kind mehr wollen. Zudem hat sich die Phase, in der sich Frauen noch ein Kind wünschen, im Alter weit nach hinten verschoben. Eine 45-Jährige, die noch sehnlichst Mutter werden will, ist heute keine Seltenheit mehr. Einer gebärmuttererhaltende Therapie kommt daher im Zent-
rum für Frauenheilkunde große Bedeutung zu.
Doch nicht nur das Frauenbild hat sich geändert. ?Wir haben heute mehr Möglichkeiten, gebärmuttererhaltend zu operieren?, erklärt die Chefärztin. Die Operationstechniken haben sich in den letzten Jahren zunehmend verfeinert. Viele Myome und Tumore in der Gebärmutter können nun entfernt werden, ohne gleich das ganze Organ herauszunehmen. Viele dieser Eingriffe können sogar minimal-invasiv durchgeführt werden. Wenn das Myom allerdings zu groß und zu fest mit der Gebärmutterwand verwachsen ist, oder zu viele Myome die Gebärmutter besiedeln, dann gibt es auch heute oft keinen anderen Ausweg als die Entfernung. In diesen Fällen sei der Leidensdruck der Frauen allerdings oft so hoch, dass sie diesem Schritt ohne Wenn und Aber zustimmen.
Oft hilft dann noch eine Myomembolisation, die in Kooperation mit der Radiologie durchgeführt wird. Dabei wird die Blutzufuhr der Myome unterbunden, was ein Absterben oder zumindest eine Verkleinerung der Myome bewirkt. Bei Blutungsstörungen greift heute kaum ein Gynäkologe auf die Entfernung der Gebärmutter als Therapie zurück. Man entfernt Polypen und Myome als Verursacher der Blutungen oder man verödet die blutende Gebärmutterschleimhaut.
Früher wurden bei einer Gebärmutterentfernung oft die Eierstöcke gleich mit herausoperiert. Damit sollten Eierstocktumore schon im Vorfeld verhindert werden. Heute weiß man, dass das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, viel zu gering ist, als dass diese Maßnahme sinnvoll wäre. Mit der Entfernung der Eierstöcke verschwindet jedoch auch deren Fähigkeit zur Hormonbildung. Dies trifft nicht nur die Frauen vor den Wechseljahren, denen dann die weiblichen Hormone fehlen. Bei Frauen nach der Menopause mangelt es dann an männlichen Hormonen, was Antriebslosigkeit und Depressionen zur Folge haben kann.
Ob sich das Fehlen der Gebärmutter auf das Sexualleben der Frauen auswirkt, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. ?Aber da?, meint Brucker, ?spielen ja psychologische Aspekte oft die entscheidende Rolle.?
Autorin/Autor: Doris Strahler

