Burn-out-Syndrom - Hilfe, wenn der Akku leer ist
Alles wird zu viel, zu nichts hat man mehr Lust, eine tiefe Erschöpfung macht sich breit ? wer kennt nicht wenigstens ansatzweise dieses Gefühl? Ausgebranntsein. Wenn es zum Dauerzustand wird, handelt es sich um eine Krankheit, die behandelt werden muss. Dafür gibt es seit April 2008 in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin eine neue Tagesklinik und Station für ?Burn-out?-Patienten.
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Chefarzt Prof. Wolfgang Söllner begründet den speziellen Therapiezweig mit der zunehmenden Zahl an Patienten mit Erschöpfungssyndrom und mit den Ursachen der Krankheit: ?Burn-out ist eine chronische körperliche, emotionale und mentale Erschöpfung im Zusammenhang mit der Berufstätigkeit, deshalb muss auch die Arbeitsplatzsituation in die Behandlung einbezogen werden.? Doch welche Personen sind besonders gefährdet und wie kommt es zum Burn-out-Syndrom? ?In der Regel trifft es hochmotivierte Menschen, die im Beruf sehr engagiert und idealistisch sind?, erklärt der Chefarzt. Besonders häufig findet man Burn-out in Berufen, bei denen ein intensiver Kontakt mit abhängigen oder hilfsbedürftigen Menschen besteht, wie etwa bei Sozialarbeitern, Lehrern, Ärzten, Pflegenden oder Polizisten. ?Grundsätzlich kann aber jeder, der im beruflichen Alltag permanent überfordert ist, in diesen Erschöpfungszustand geraten?, mahnt Söllner. |
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Burn-out vollzieht sich langsam in Phasen oft über Jahre hinweg und wird von den Betroffenen meist lange nicht erkannt. In der ersten Phase nehmen die hoch engagierten Mitarbeiter alles an, wenn ?Not am Mann? ist, und machen Überstunden. Die Überlastung äußert sich irgendwann in Gereiztheit und körperlichen Symptomen wie Bluthochdruck, Schmerzen, Schlaf- oder Verdauungsstörungen oder Depression. Die Betroffenen können nicht mehr auftanken, verlieren das Interesse an ihrer Umwelt, verhärten emotional, ziehen sich aus sozialen Kontakten zurück, und in der Familie gibt es Konflikte. Die dritte Phase, wenn der Akku leer ist, gipfelt in vollständiger Erschöpfung und Zusammenbruch der Leistungsfähigkeit mit langem Krankenstand als Folge.
Bei den auslösenden Faktoren nennt Söllner Arbeitsplatzfaktoren wie hohe Arbeitsbelastung unter Zeitdruck, fehlende Kontrollmöglichkeiten oder mangelnde Anerkennung. Die persönlichen Faktoren erachtet er aber als genauso wichtig. Menschen, die besonders perfektionistisch sind, unrealistische Ziele haben, nicht ?Nein? sagen können oder zur Opferbereitschaft neigen, sind demnach besonders gefährdet. Hier setzt die Therapie an: ?Den Arbeitsplatz können wir nicht ändern?, stellt Söllner fest, ?aber wir können die Burn-out-Patienten dafür sensibilisieren, dass sie mit sich anders umgehen und schädliches Verhalten erkennen.?
Zunächst wird eine genaue Diagnostik durchgeführt. Viele Burn-out-Patienten kommen in einem schlechten körperlichen Zustand in die Klinik. Der ist gekennzeichnet von ungesunder Ernährung, Bewegungsmangel, manchmal auch Medikamenten- und Suchtmittelmissbrauch. ?Diesem Umstand müssen wir in der Behandlung ebenfalls Rechnung tragen?, betont Söllner.
Er legt Wert auf den individuellen Ansatz der Therapie. In einer Kleingruppe mit sechs bis neun Teilnehmern sollen die Patienten Einsicht in ihre persönliche Gefährdung für ein Burn-out gewinnen und lernen, wie sie ihre Konfliktfähigkeit verbessern können. Da die Work-Life-Balance, also der gesunde Ausgleich von Arbeit und Freizeit, gestört ist, werden die Patienten an Methoden herangeführt, wie sie wieder ?auftanken? und ihre persönlichen Ressourcen nutzen können. In Rollenspielen können sie üben, wie sie sich am Arbeitsplatz besser abgrenzen und bewusst ?Ja? und ?Nein? sagen können. Methoden der Stressbewältigung, wie Entspannungstraining und Chi Gong, runden neben medizinischem Sporttraining das Angebot ab.
Für Patienten mit schweren Burn-out-Erscheinungen dauert die Behandlung sechs Wochen, für Patienten mit leichten Symptomen ist eine zweiwöchige Kurztherapie möglich. Die Einweisung erfolgt über den Haus- oder Facharzt.
Informationen und Anmeldung für Patienten über das Sekretariat der Klinik bei Frau Sämann unter (0911) 398 -7390, Mo. - Fr. von 8.30 bis 12.30 Uhr.
Autorin/Autor: Justina Mehringer

