Bauchspeicheldrüse - Kleines Organ mit großer Wirkung
In Deutschland leiden etwa 100.000 Menschen an chronischen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Pankreas. Tendenz steigend. ?Unsere Lebensgewohnheiten, also zu fettes Essen und steigender Alkoholkonsum, sind meist die Ursachen für eine chronische Entzündung?, erklärt Dr. Herbert Muschweck, Chefarzt der Gastroenterologie im Klinikum Nord.
Die Bauchspeicheldrüse liegt im oberen Bauchraum, quer hinter dem Magen. In ihrer Form ähnelt sie einer Zunge, und misst etwa 20 Zentimeter bei einem Gewicht von bis zu 100 Gramm. Die Bauchspeicheldrüse hat drei wesentliche Funktionen: Sie reguliert den Blutzuckerhaushalt durch die Ausschüttung von Insulin. Sie ist eine wichtige Drüse für die Verdauungsvorgänge im menschlichen Körper und produziert täglich bis zu 1,5 Liter Bauchspeichel, der in den Darm abgegeben wird und vor allem der Fettverdauung dient. Zudem erzeugt die Drüse Hormone, die in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Bei akuter oder chronischer Entzündung sowie einer Krebserkrankung des Organs, ist die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage, ihren Aufgaben nachzukommen.
?Der Bauchspeicheldrüsenkrebs bereitet zunächst keine oder nur leichte Schmerzen?, erläutert Muschweck. Am Beginn steht häufig eine Störung im Verdauungssystem, die oft fälschlicherweise auf die leichte Schulter genommen wird. Die Beschwerden treten meist nach den Mahlzeiten auf, auffallend sind Durchfälle relativ kurz nach dem Essen. Dabei kommt es zu so genannten ?Fettstühlen?, da die Verdauungssäfte das Fett nicht mehr ausreichend abbauen können. Die Folge einer verminderten Fettaufnahme im Darm ist ein relativ schneller und starker Gewichtsverlust mit entsprechender Erschöpfung und Müdigkeit. ?Unklare Verdauungsprobleme? betont Muschweck, ?sollten deshalb immer gründlich beim Arzt abgeklärt werden.?
Bösartige Tumore im frühen Stadium können durch eine vollständige oder teilweise Entfernung der Drüse in zunehmendem Maße erfolgreich behandelt werden. Auch die chronische Entzündung, die so genannte Pankreatitis, wird bei einem Teil der Fälle durch Entfernung des Organs geheilt. Ist eine Operation angezeigt, geht mit dem Eingriff eine gezielte Schmerztherapie mit einem so genannten Periduralkatheter einher. Damit lassen sich Schmerzen im Wundbereich genauer kontrollieren.
Einen Tag nach der Operation wird in der Regel die Magensonde entfernt. Bei normalem Verlauf kann dann mit dem Trinken begonnen werden. Gelingt dies in den ersten Tagen gut, folgt ein behutsamer Kostaufbau. Dabei wird die Schmerzmedikation normalerweise auf Tabletten oder Tropfen umgestellt.
Die möglichen Spätfolgen einer Operation hängen von der Größe des Eingriffs ab: ?Je weniger Gewebe der Bauchspeicheldrüse entfernt wurde, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Zuckerkrankheit oder einer Verdauungsstörung?, erläutert Muschweck. Musste das Organ ganz oder zu großen Teilen entfernt werden, sind tägliche Insulingaben und Verdauungspräparate sowie ein individuell gestalteter Ernährungsplan erforderlich.
Autorin/Autor: Axel Bredehöft

