Krankenhäuser im Vergleich - Rankings und Bewertungen ? was bringen sie?
Wie finde ich das beste Krankenhaus für mich oder meinen Vater. Wo kann ich mich informieren? Und ist auf die Angaben dann auch Verlass? Immer mehr Dienstleister veröffentlichen Rankings und Bewertungen von Krankenhäusern. Die Techniker-Krankenkasse (TKK) fragte Patienten nach ihrer Zufriedenheit, das Wochenmagazin Focus befragte ausgewählte Ärzte, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen nach den ?besten? Ärzten Deutschlands und unter www.klinikbewertungen.de kann jedermann seine Meinung über Krankenhäuser abgeben.
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Auch der Gesetzgeber arbeitet daran, die Leistungsfähigkeit der deutschen Krankenhäuser transparenter zu machen. Seit 2005 sind die Krankenhäuser alle zwei Jahre zur Veröffentlichung eines Qualitätsberichts jeweils für das Vorjahr verpflichtet. Dieser soll, so der Wunsch des Gesetzgebers, Patienten und einweisende Ärzte objektiv über die Leistungen eines Krankenhauses informieren. Doch was bringen all diese Daten, Rankings und Vergleiche bei der Suche nach dem besten Krankenhaus? Führen sie den Patienten zu einem guten Arzt oder nur in die Irre? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen diesen beiden Polen. Viele dieser Rankings sind willkürlich, beruhen auf subjektiven Einschätzungen oder verfügen nur über eine geringe Datenbasis. Manipulationen sind da durchaus möglich. Bei den Klinikbewertungen im Internet ist wahrscheinlich erst bei einer sehr großen Anzahl von Bewertungen mit einem annähernd verlässlichen Ergebnis zu rechnen. Davon sind die heutigen Daten jedoch noch Lichtjahre entfernt. Zudem lassen sich von Aussagen zur Patientenzufriedenheit nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Qualität der medizinischen und pflegerischen Behandlung ziehen ? dies gilt auch für die Studie der TKK. |
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?Die Behandlungsqualität von komplexen medizinischen und pflegerischen Leistungen zu erfassen, ist ein schwieriges Unterfangen?, meint Carmen Rhein, Dipl.-Volkswirtin und kommissarische Leiterin des Qualitätsmanagements im Klinikum Nürnberg. So informiert der strukturierte Qualitätsbericht 2006 des Klinikums, der im Herbst 2007 im Internet unter www.g-qb.de veröffentlicht wurde, über das Leistungsspektrum der Kliniken, Fallzahlen und Hauptdiagnosen. Der Bericht zeigt die Leistungsfähigkeit des Klinikums, seine Spezialisierungen und die hohe Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch die Anstrengungen auf anderen Gebieten, wie z.B. Qualitätssicherung, Ethikprojekt, oder Zertifizierung, werden sichtbar. Alle diese Angaben sind mit denen anderer Häuser direkt vergleichbar.
?Damit wird zumindest die strukturelle Ebene der Krankenhauslandschaft transparenter?, meint Dr. Alfred Estelmann, Vorstand des Klinikums. Allerdings lässt die Präsentation des Datenmaterials noch zu wünschen übrig. Nicht grundlos hat die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) unter www.bqs-online.com eine Anleitung ins Internet gestellt, die den Patienten das Verständnis erleichtern will. Für Laien sind die Berichte trotzdem nur schwer zu entschlüsseln. Mehr Verständlichkeit fordern daher nicht nur die Patientenvertreter.
Noch schwieriger gestaltet sich die Abbildung der Behandlungsqualität. Dies weiß auch die BQS, die bereits seit 2001 Qualitätsindikatoren entwickelt und deren Einhaltung in den Kliniken überprüft. Im Jahresbericht 2006 sind nun erstmals 27 dieser Qualitätsindikatoren veröffentlicht. Allerdings drehen sich diese häufig um die Vollständigkeit der Dokumentation einer Therapie, und nicht um die Qualität der Behandlung. Doch nicht nur die BQS bemüht sich um Qualitätskontrolle, auch die Krankenhäuser setzen zunehmend auf interne und externe Qualitätssicherung. So strebt das Klinikum eine enge Zusammenarbeit mit anderen deutschen Krankenhäusern an, die ein ähnliches Leistungsspektrum anbieten.
Eines aber macht der Boom an Rankings und Klinikvergleichen deutlich: Der Patient von heute will besser informiert sein und dann selbst entscheiden, in welcher Klinik und von welchem Arzt er sich behandeln lässt. Die Krankenhäuser Deutschlands sind daher nun aufgefordert, sich mit den Besten unter ihnen zu messen und ihre Leistungen öffentlich zu machen. Noch fehlen jedoch objektive Qualitätsindikatoren, auf die sich Patienten dann auch verlassen können. Bis dahin sollte man allen Rankings und Bewertungen mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnen.
Autorin/Autor: Doris Strahler
