Schmerztagesklinik - Schmerztherapie für türkische Migrantinnen
Mit einem fröhlichen ?Merhaba? (?Guten Tag?) begrüßen sich die türkischen Frauen zum letzten Mal in der Schmerztagesklinik des Klinikums. Neun Wochen lang haben sie an einem Programm teilgenommen, das ihnen helfen soll, mit ihren chronischen Schmerzen umzugehen. Nun haben sie während einer ?Auffrischungswoche? Gelegenheit, die gelernten Techniken und Verhaltensweisen zu wiederholen.
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Die Leidensgeschichte von Ayse D. kann stellvertretend für die neun Frauen der Gruppe stehen: Seit über 20 Jahren lebt sie mit ihren Schmerzen, war schon bei vielen Ärzten, die alle keine körperliche Ursache für ihre Symptome ? Rückenschmerzen, Schmerzen in der Schulter ? feststellen konnten. Dafür brachte sie viele unterschiedliche Medikamente mit nach Hause, die wenig Wirkung zeigten. Weil sie unter depressiven Verstimmungen litt, zog sie sich immer mehr zurück und ging kaum mehr aus dem Haus. Das bislang bundesweit einmalige Programm speziell für türkische Frauen berücksichtigt die Besonderheiten von Patientinnen, die aus einem anderen Kulturkreis stammen. Dr. Susanne Eder, Ärztin in der Schmerztagesklinik, erklärt, dass es für türkische Patientinnen ?schon aus sprachlichen Gründen schwieriger ist, ihre Beschwerden zu beschreiben?. |
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Deutschunterricht, der auch nach der Therapie fortgesetzt wird, ist deshalb ein wichtiger Baustein.
?Zum Schmerz gesellt sich bei den Frauen zudem oft Angst, dass sie an einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden?, ergänzt die Ärztin. Das Team der Schmerztagesklinik setzt deshalb vor allem auf Aufklärung: Was ist Schmerz? Was sind seine psychosozialen Auswirkungen und wie kann ich damit umgehen? ?Die Devise heißt: Weg von rein körperlich orientierten und passiven Strategien wie Injektionen oder Massagen, hin zu aktiveren Maßnahmen und zur Förderung des Selbstheilungspotenzials?, erläutert Eder. Körperliche Aktivierung gehört daher ebenso dazu wie ein ?Genusstraining?, um die Sinne zu schärfen für die kleinen Dinge des Lebens, für die Natur, Essen oder Musik.
In der psychologischen Gesprächsrunde, bei der immer eine Dolmetscherin anwesend ist, lernen die Frauen, dass nicht Schmerzfreiheit das Ziel ist. ?Es geht darum, durch Ablenkung und Aktivität wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen?, erklärt Sandra Venkat, Psychologin und Psychotherapeutin. Die Patientinnen sollen demnach erkennen und erleben, wie sie Einfluss auf ihre Stimmung oder ?Moral? gewinnen können und ?Stolz aus ihrer bisherigen Leistung vor dem Hintergrund einer oft schwierigen Lebensgeschichte schöpfen?.
Den größten Erfolg sieht die Psychologin darin, dass die Frauen sich auch nach der Therapie treffen, um Selbsthilfeangebote in Anspruch zu nehmen und insgesamt trotz Schmerzen aktiver und selbstbewusster geworden sind. Viel von dieser Lebensfreude ist in der Physiotherapie zu spüren: Die Frauen tanzen zu den Klängen der Halay-Musik und klatschen mit lachenden Gesichtern im Takt. Wenn man in die Runde blickt, könnte man fast vergessen, dass, wie Gülhan A. sagt, ?der Schmerz immer dabei ist?.
Das Programm für türkische Frauen startet am 17. März. Teilnehmerinnen wenden sich über ihren behandelnden Arzt oder direkt unter der Rufnummer (0911) 398 -27 00 an die Tagesklinik. Da eine Voruntersuchung notwendig ist, sollten sie sich bald melden. Die Kosten der Therapie übernehmen die Krankenkassen.
Autorin/Autor: Justina Mehringer
