Ethik-Café - Ethik geht uns alle an
?Bin ich ein Weichei?? So oder so ähnlich lautet oft die bewusst zugespitzte Frage, wenn es darum geht, eine ethische Beratung anzufordern. In der Formulierung schwingen Berührungsängste wie auch die Furcht vor Konsequenzen mit, Hilfe von außen zu holen, weil ein Problem selbst nicht gelöst werden kann. Dieser innere Entscheidungskonflikt war thematischer Aufhänger des Ethik-Cafés, das im November zum zweiten Mal im Klinikum angeboten wurde. Teilgenommen haben rund 50 Beschäftigte aus Pflege, Medizin und Verwaltung, etwa ein Drittel davon waren als ausgebildete Ethikberater für Ablauf und Organisation verantwortlich und als Ansprechpartner vor Ort.
So, wie Christine Lehner. Ihr Resümee ist eindeutig: ?Es war schön zu sehen, dass für viele Mitarbeiter Ethik in ganz alltäglichen Situationen eine wichtige Rolle spielt.? Das betreffe den fairen und verantwortungsbewussten Umgang miteinander im Privaten ebenso wie im Beruf. Besonders Führungskräfte hätten hier eine nicht zu unterschätzende Vorbildfunktion. ?Ethik geht uns alle an? oder ?Ethik ist ja der Alltag? waren daher zwei Aussagen der Teilnehmer, die sich wie ein roter Faden durch die Gespräche zogen.
Als Einstieg referierten die Ethikberater Dr. Andrea Eisenberg und Dr. Tilman Rentel über die Klinische Ethikberatung und gaben einen Einblick in die Vielfalt ethischer Konflikte. In der großen Mehrzahl sind es Fälle, in denen es um die weitere Behandlung schwerstkranker Patienten geht: Soll eine künstliche Ernährung über eine Magensonde durchgeführt werden? Ist jede teure Behandlung angesichts des Kostendrucks noch gerechtfertigt? Wie ist zu entscheiden, wenn eine weitere Chemotherapie einem Patienten vermutlich eher schadet als nützt?
Das sind Grenzsituationen, in denen mit Unterstützung der Mitarbeiter der so genannten Zentralen Mobilen Ethikberatung (ZME) Wege diskutiert und aufgezeigt werden, um möglichst eine gemeinsame Entscheidung verantwortlich treffen zu können. Denn gerade in der gleichen Berufsgruppe, so eine der Rückmeldungen von Teilnehmern des Ethik-Cafés, gäbe es extrem unterschiedliche Meinungen. ?Da ist es schon sinnvoll?, so Lehner, ?möglichst viele an einer schwierigen Entscheidung zu beteiligen.?
Der geäußerte Wunsch einiger Teilnehmer, ethische Themen nicht nur auf die Behandlung schwerstkranker Patienten zu begrenzen, soll im nächsten ?Ethik-Café? zum Tragen kommen. Dann geht es unter anderem um Fragen einer ethischen Unternehmenskultur und dem täglichen Umgang zwischen Mitarbeitern und Führungskräften.
Das nächste Ethik-Café findet am 8. April im Klinikum Nord und am 15.April im Klinikum Süd statt. Weitere Informationen und Kontakt unter: ethikberatung@klinikum-nuernberg.de.
Autorin/Autor: Axel Bredehöft
