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Klinikum Nürnberg, Krankenhaus der Maximalversorgung. >> Aktuelles >> KlinikumZeitung >> Jahrgang 2008 >> Ausgabe 1 >> Ästhetische Chirurgie - Ein Brustimplantat mit Garantie?

Ästhetische Chirurgie - Ein Brustimplantat mit Garantie?

Das Geschäft mit der Schönheit durch Silikon boomt: Immer mehr Frauen lassen sich durch Schönheitschirurgen die Brust vergrößern, manchmal auch verführt von Slogans wie ?Traumbusen mit Garantie?. Der Wunsch, einen Traumbusen zu haben, muss aber nicht unbedingt und von jedem Chirurgen erfüllt werden. Denn sexy auszusehen, ist nicht ohne Risiko zu haben, auch wenn Garantien für Implantate dies so suggerieren.

Privatdozent Dr. Bert Reichert, Chefarzt der Klinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie, hat schon viele Brustoperationen durchgeführt. Er gehört nicht zu den Ärzten, die leichtfertig mit diesem Thema umgehen. ?Eine Operation ist immer mit Vorsicht zu betrachten, es ist und bleibt ein Eingriff in den Körper, und Infektionen sind nie völlig auszuschließen?, warnt er vor einer Operation ohne Not. Er wendet sich gegen die schwarzen Schafe seiner Zunft, die Risiken bagatellisieren und lebenslange Garantie-Erklärungen für Brustimplantate abgeben. ?Das ist unseriös?, meint Reichert, ?da so lange Erfahrungswerte noch gar nicht vorliegen.?

 

Nicht unbegrenzt: Die Lebensdauer von Silikon-Implantaten ist begrenzt
 

Wie lange hält aber ein Implantat? ?Die durchschnittliche Haltbarkeitsdauer liegt angeblich bei 18 Jahren. Aber selbst bei höchster Materialqualität kann es vorher zu einem Schaden kommen?, schränkt Reichert ein. Aus seiner ärztlichen Verantwortung rät er seinen Patientinnen, sich nach etwa zehn Jahren prophylaktisch das Implantat wechseln zu lassen. Kürzlich hatte er eine Patientin, die ihr Implantat erst seit vier Jahren im Körper trug. Die Silikonhülle war beschädigt und das Füllmaterial lief in das umliegende Gewebe aus. ?Was nützt dieser Frau der garantierte Ersatz des Implantates? Die Risiken einer erneuten Operation muss sie trotzdem allein eingehen?, bringt es der Chirurg auf den Punkt.

Haltbarkeitsdauer hin oder her, das Einsetzen eines Implantats bleibt nie folgenlos. ?Unser  Körper?, so Reichert, ? wird fremdes Material stets bekämpfen, und dadurch bildet sich um ein Brustimplantat eine Bindegewebskapsel oder Fibrose aus.? Diese Kapsel könne schrumpfen und das Implantat zusammendrücken. Deformationen und Schmerzen könnten das Ergebnis sein. Auch andere Komplikationen, wie Entzündungen oder sogar das Austreten von Silikon durch die Hülle, seien möglich. Reichert verweist darauf, dass dann nur eine erneute Operation helfen könne.

Trotz der Risiken gibt es auch medizinische Indikationen für Brustimplantate, wenn beispielsweise eine angeborene Fehlbildung der Brust besteht. ?In solchen Fällen sind Brustimplantate auch bei heranwachsenden jungen Frauen eine wichtige Hilfe, allgemeine Entwicklungsstörungen zu vermeiden?, räumt der Chefarzt ein. Oder es kommen Frauen, deren Brüste durch die Hormonumstellung in der Schwangerschaft oder nach dem Stillen völlig verändert sind. Diese Veränderung wird meist als Verlust der weiblichen Identität empfunden.

Auf die möglichen Folgen des Eingriffs werden auch diese Frauen eindringlich hingewiesen. Und das nicht nur einmal. ?Wir setzen mehrere Beratungstermine über einen längeren Zeitraum an. Wir möchten sicher sein, dass unsere Patientinnen sich nicht aus einer Laune heraus zu einer Operation entscheiden?, betont Reichert. Allen Frauen, die sich in die Hand eines Chirurgen begeben, gibt er einen Tipp mit auf den Weg: ?Sie sollten darauf achten, dass sie es mit einem erfahrenen Facharzt zu tun haben. Garantieerklärungen sollten sie generell nicht trauen.?    

Plastische Chirurgie       

Autorin/Autor: Justina Mehringer

 
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