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Kinder- und Jugendpsychiatrie - Suizidalität: Gefangen wie in einem Tunnel

Selbstmord zählt nach schweren Unfällen zur zweithäufigsten Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Die Auslöser für eine solche Tat können vielfältig sein und reichen von lebensbedrohenden Ängsten in der Schule, dem Verlust einer wichtigen Bezugsperson bis hin zu depressiven Erkrankungen in der Familie, die sich belastend auf die Entwicklung auswirken können. Nicht selten spielt eine feindliche, abgespaltene Beziehung zum eigenen Körper in die seelische Notsituation mit hinein. Viele dieser jungen Menschen haben das Gefühl, wie in einem Tunnel gefangen zu sein.

Die Neigung zum Selbstmord, die Suizidalität, ist laut Prof. Jörg Wiesse, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie im Klinikum Nord,  eine ?zutiefst beunruhigende Krankheit und Ausdruck einer existenziellen Krise?. Der Versuch, sich das Leben zu nehmen, ist eine Folge dieser Notsituation und häufig auch das Zeichen einer großen Aggression gegen sich selbst.

So wie im Fall der 17-jährigen Jessica, die ihre bedrohliche Lebenskrise mit Hilfe einer Therapie überwinden konnte. Um anderen Jugendlichen in ähnlicher Situation Mut und Unterstützung zu geben, hat sie ihre Leidensgeschichte im Internet dokumentiert. Am Anfang stand bei ihr die Selbstverletzung: ?Ich habe zunächst aus Verzweiflung geritzt, dann ein zweites Mal aus Hilflosigkeit. Es ist zu einer Sucht geworden, ich musste das Blut sehen. Erst dann wurde ich ruhiger.? Trotz guter Leistungen in der Schule und positiver Erfahrungen im Chor und in der Theater AG fühlte sie sich zusehends überfordert.

Eine schmerzliche Erfahrung machte sie in der 7. und 8. Klasse, in der sie gemobbt wurde und sich zur Außenseiterin und Einzelgängerin entwickelte.  ?Für mich war das zu viel. Besonders, wenn man merkt, dass die Fähigkeiten nachlassen ? aufgrund von Enttäuschungen, die man von anderen erfährt. Ich hatte ständig das Gefühl zu versagen. Dadurch stumpft man ab. Ich hatte nichts, wofür ich kämpfen konnte. Das Leben war langweilig ? ich fühlte mich innerlich tot, leer.? Der Todeswunsch tauchte in Jessicas Gedanken immer wieder auf.

Der rechtzeitige Kontakt zum Therapeuten, aber auch die Gespräche mit anderen Patienten haben ihr rückblickend geholfen, aus dem Tunnel wieder herauszufinden: ?Ich habe mit Leuten gesprochen, die stark genug sind, um zuzugeben, dass sie in ihrem Leben Hilfe brauchen, diese dann suchen und für sich in Anspruch nehmen.?

Laut Chefarzt Wiesse erlebt etwa jeder dritte Jugendliche in seiner Entwicklung tiefe Krisen, etwa jeder zehnte von ihnen begeht einen Selbstmordversuch, wobei die Zahl der Mädchen sieben mal so hoch ist wie die der Jungen. Aus therapeutischer Sicht sei es deshalb sehr wichtig, ?junge Menschen in ihrer Entwicklung genau zu beobachten und Hinweise auf ein verändertes Verhalten möglichst frühzeitig wahrnehmen und verstehen zu können?. In der Kinder- und Jugendpschiatrie des Klinikums stehen den jungen Patienten ? je nach Krankheitsbild ? drei Stationen, die Tagesklinik und Institutsambulanz sowie eine Ambulanz zur Verfügung.            

 

Für Kinder und Jugendliche in seelischer Not gibt es im Internet eine Vielzahl hilfreicher Angebote z.B. www.neuhland.de oder www.bke-sorgenchat.de. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums ist unter Tel. 398 -28 00 rund um die Uhr erreichbar.

Autorin/Autor: Axel Bredehöft

 
Es öffnet sich eine Seite auf klinikum-nuernberg.de mit Notfallinformationen

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