Wenn im Vorhof des Herzens die Wände flimmern
Ein dritter Herzkathetermessplatz wird ab Februar 2008 die Behandlungskapazitäten der Kardiologie im Klinikum Süd enorm erweitern. ?Damit reiht sich das Klinikum Süd endgültig in die Reihe der ganz großen Herzkreislauf-Zentren im süddeutschen Raum ein?, betont Prof. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Kardiologie. Endlich habe man nun genügend Messplätze, um auch eine hochwertige Behandlung von Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern anbieten zu können.
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Bisher war dies aus Kapazitätsgründen nicht möglich, waren doch die beiden vorhandenen Messplätze mit der Behandlung anderer rhythmologischer Patienten und mit Herzinfarktpatienten komplett ausgelastet. Bei 600 Herzinfarktpatienten im Jahr ? das sind durchschnittlich zwei Patienten am Tag ? und 4.000 gelegten Herzkathetern blieb für die zeitaufwändige Therapie von Rhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern kein Raum. Beim Vorhofflimmern handelt es sich um die häufigste Herzrhythmusstörung in Deutschland, rund eine Million Menschen sind, so Schätzungen, davon betroffen. Dabei ist die Reizausbreitung im Vorhof des Herzens gestört, was zu schnellen und ungeordneten, manchmal kaum wahrnehmbaren Bewegungen der Herzwände führt, dem Flimmern. |
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Im Gegensatz zum Kammerflimmern ist das Vorhofflimmern nicht lebensgefährlich, allerdings steigt das Risiko eines Schlaganfalls. Bei etwa 80 Prozent der Patienten kommt es zu Symptomen wie Herzrasen, Unruhegefühl oder Leistungsschwäche, andere merken jedoch gar nichts davon. In der Regel wird das Vorhofflimmern medikamentös behandelt, doch auch eine so genannte Ablation mittels eines Herzkatheters schafft Abhilfe. Dabei werden die gestörten Erregungsleitungen im Vorhof ausfindig gemacht und verödet, das Erregungsleitungssystem normalisiert sich wieder. ?Bis zu sechs Stunden kann eine Ablation dauern?, erklärt Pauschinger den enormen Behandlungsaufwand.
Mit der Behandlung von Rhythmusstörungen rundet die Kardiologie im Klinikum Süd ihr Behandlungsangebot rund um Erkrankungen des Herzens ab. ?Zusammen mit unseren benachbarten Disziplinen, der Herzchirurgie und der Gefäßchirurgie, bieten wir unseren Patienten ein umfassendes Leistungspaket für alle Herzkreislauferkrankungen?, so Pauschinger.
Interdisziplinäres Herz-Kreislauf-Zentrum
Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Therapie des akuten Herzinfarktes ein. Um hier schnell und umfassend Hilfe leisten zu können, ist das Klinikum Süd in ein dichtes Notfall- und Rehabilitationsnetzwerk eingebettet. In einem nächsten Schritt sollen nun die drei Fachkliniken rund um Herzkreislauferkrankungen, die Kardiologie, die Herz- und die Gefäßchirurgie zu einem leistungsfähigen interdisziplinären Herz-Kreislauf-Zentrum ausgebaut werden.
Noch immer sterben 40 Prozent der jährlich 300.000 Herzinfarktpatienten, bevor sie das Krankenhaus überhaupt erreichen, darunter viele Frauen. Deshalb sollte man bei den kleinsten Verdachtszeichen sofort den Notarzt rufen. ?Lieber einmal zu oft den Arzt rufen, als einmal zu wenig?, rät der Chefarzt eindringlich.
Typische Symptome sind das einschnürende Engegefühl in der Brust, die Ausstrahlung in den linken Arm und den Hals sowie Übelkeit. Bei Frauen sind die Beschwerden dagegen oft untypisch. Starke Rückenschmerzen, Oberbauchbeschwerden, Erbrechen, Luftnot und sogar Zahnschmerzen können bei ihnen auf einen Herzinfarkt hinweisen.
Nach der stationären Akutbehandlung, die heute in der Regel etwa fünf Tage dauert, steht dann ein intensives Reha-Programm an, um einem Re-Infarkt vorzubeugen. ?Häufig bewegen sich die Menschen zu wenig, sind Raucher, haben Übergewicht?, zählt Leonard Fraunberger, der Chefarzt des Ambulanten Reha-Zentrums, die Risikofaktoren auf. Um das Herzinfarktrisiko zu minimieren rät er hinter dem Klinikum Süd dringend zu mehr Bewegung.Autorin/Autor: Doris Strahler
