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Hausservice im Klinikum - Ein sauberes Geschäft

Der grüne Kittel sitzt, schnell in die blauen Handschuhe geschlüpft, der Griff zum Staubwedel, den Servicewagen im Schlepptau. Jetzt anklopfen - und behutsam die Tür zum Patientenzimmer öffnen. Putzen genau nach Plan ist Alltag für die Reinigungskraft Selvete Montanus. Seit knapp fünf Jahren ist sie im Hausservice tätig. Eine unverzichtbare Arbeit, gerade in einem Krankenhaus. Und ein mitunter harter Job, der im Hintergrund reibungslos funktionieren muss.

Augenfällig wird dies beim Systemwagen, der vor dem Patientenzimmer steht: Bestückt mit roten und blauen Plastikboxen, roten und grünen Eimern, Staubmopp, Pudelmopp, Abwurfsäcken für Müll, Mopp und Lappen sowie Behältern für verschiedenfarbige Handschuhe ist der Systemwagen Sinnbild einer ausgeklügelten Logistik.

Aus gutem Grund wie Peter Bienzeisler weiß: ?Zwei Bereiche sind insbesondere für Patienten immer wichtig: Essen und Sauberkeit.? Der Gebäudereinigermeister leitet seit zwei Jahren den Hausservice in der KNSG, einer Tochtergesellschaft des Klinikums. Rund 500 Mitarbeiter sind hier beschäftigt und sorgen für Sauberkeit und Hygiene im Klinikum. Der Frauenanteil liegt bei über 90 Prozent, die meisten von ihnen sind wie die Kosovarin Montanus in Teilzeit tätig. Ob Operationssäle, Patientenzimmer, Stationsflure, Besuchertoiletten oder Büroräume ? immer geht es im Hausservice darum, ein sauberes und in kritischen Bereichen wie etwa der Intensivstation auch möglichst keimreduziertes Krankenhaus zu schaffen.

Riesige Flächen sind zu reinigen
 

Ein Mikrofasertuch hat 16 Seiten

Putzen ist dabei eine Wissenschaft für sich. Und eine große Herausforderung. Sein Herzstück misst gerade mal 38 mal 38 Zentimeter: das Mikrofasertuch. Der quadratische Stoff hat auf den ersten Blick nur zwei Seiten. In der Praxis aber - wenn erfahrene Profis am Werk sind - meistens acht, manchmal sogar 16 Seiten. So wie Barbara Nagat, langjährige Mitarbeiterin im Hausservice. Die ausgebildete Hauswirtschafterin schult die zumeist ungelernten Mitarbeiterinnen im Putzdienst im Umgang mit modernsten Methoden und Technik. ?Eine hohe Fehlerquelle war früher das Aufbringen der Reinigungslösung auf den Wischmopp durch die Reinigungskraft?, erklärt Nagat, ?entweder war es zu viel und die Flächen waren zu nass, oder es war zu wenig und die Fläche nur unzureichend gereinigt.?

Heute werden im gesamten Klinikum täglich 6.500 Mikrofaserbezüge vor ihrem Einsatz in 12er-Stapeln in rechteckigen Plastikboxen geschichtet und - je nach Einsatzgebiet - mit der genau dosierten Reinigungslösung aufbereitet. Später muss die Reinigungskraft die Box nur öffnen und kann den Mopp mit dem Mopphalter direkt aufnehmen. Die vorbereiteten Bezüge sind in der Box 24 Stunden zu verwenden, danach würde es zu Verkeimungen kommen.

?Früher?, erläutert Bienzeisler, ?wurde im zweistufigen Verfahren gearbeitet: Die Fläche also erst nass vorgereinigt, dann trocken nachgewischt. Heute arbeiten wir im einstufigen Wischverfahren, weil das Trocknen und somit ein Arbeitsgang entfällt.? Die genau dosierte Reinigungslösung, aber auch neue Materialien (Mikrofaser, Viskose, Polyester) mit einer schleifenden Wirkung ? so genannte abrasive Moppbezüge ? machen dies möglich. Bienzeisler schwärmt vom Mikrofasermopp, kann sich aber noch gut daran erinnern wie ?Schrubber mit Scheuertüchern umwickelt oder so genannte Spaghettimopps verwendet wurden. Es kamen die Nasswischbezüge, die Mopps aus reiner Baumwolle, dann Mischgewebe bis zum Mikrofaserbezug.?

Ausgeklügelte Logik

Selbstverständlich folgt die Reinigung eines Patientenzimmers einer genau ausgeklügelten Logik. ?Es sollte immer?, erklärt Nagat, ?vom patientennahen zum patientenfernen Bereich gereinigt werden. Also angefangen beim Nachtkasten und Bett, über Tisch und Stühle bis hin zu Fensterbänken, Schrank und Türen.? Ganz wichtig: Die Tücher sind bei jedem Arbeitsschritt so zu wenden bzw. zu falten, dass für jede Fläche immer eine frische Reinigungsseite zum Einsatz kommt. Und für jeden Patienten sind jeweils getrennt ein grünes Tuch für den Allzweckreiniger und ein rotes Tuch für den Sanitärreiniger zu verwenden.

Zeitlicher Aufwand und Nutzen sind für Bienzeisler zwei ganz entscheidende Größen. Denn mit dem Hausservice muss sich die KNSG der Konkurrenz auf dem Markt stellen und Leistungsvorgaben erfüllen. Für die Bodenflächen sind das gemessen in Quadratmeter pro Stunde (qm/h) zum Beispiel 220 für Patientenzimmer, 450 für Flure oder zwischen 50 und 100 qm/h im Sanitärbereich. Insgesamt reinigt der Hausservice fast 200.000 Quadratmeter Bodenfläche im gesamten Klinikum. Unterschiedlichste Böden (offen, beschichtet, unbeschichtet) und Materialien (Teppich. PVC, Laminat, Parkett, Kunststoff, Marmor) stellen das Personal vor Herausforderungen. Dazu kommen so verschiedene Objekte wie Betten, Heizkörper, Lampen, Gardinen, Jalousien oder OP-Schuhe.

Je sensibler oder schmutzanfälliger ein Bereich ist, desto häufiger muss dieser gereinigt werden: ?An der Spitze stehen die Besuchertoiletten in der Notaufnahme. Dort sind wir täglich viermal im Einsatz? betont Dagmar Heckl, die stellvertretende Leiterin im Hausservice der KNSG. ?Gleich dahinter kommen die Intensivstationen und Operationssäle, die wir rund-um-die-Uhr und an sieben Tagen in der Woche betreuen.? Hier kommen auch Desinfektionsmittel zum Einsatz, um eine möglichst keimfreie Umgebung zu schaffen. Täglich sind die Patientenzimmer zu säubern, seltener ? im Schnitt etwa zweimal in der Woche ? stehen die Büroräume auf dem Plan.

Kontrolle per Zufallsgenerator

Teamleiter wie Brigitte Zeller im Haus 22 im Dr. Hans Birkner-Haus sind für die gesamte Organisation vor Ort verantwortlich und die Schnittstelle zwischen Reinigungskraft und Mitarbeitern bzw. Patienten. Um die Qualität der Reinigung zu messen, ist im Hausservice ein Softwaresystem im Einsatz: ?Per Zufallsgenerator? erläutert die Hauswirtschafterin Daniela Kroner, ?wählt das System Bereiche aus, in dem nicht der Vorgesetzte, sondern unabhängige Mitarbeiter aus dem Hausservice vor Ort die Situation prüfen und in ihrem Pocket-PC genau dokumentieren.?

Nach Kontrollpunkten von eins (sehr sauber) bis sechs (keine Reinigung) werden der Allgemeinzustand des Raumes, Oberflächen, Fußböden, Papierkorb, Spiegel oder etwa Dusche und Toilette bewertet. Über eine Docking-Station des Taschencomputers werden die Daten in das EDV-System eingespeist und den jeweiligen Teamleitern übermittelt. Wo noch Reinigungsbedarf besteht, ist kurzfristig nachzubessern und der jeweilige Bereich erneut zu überprüfen.

Unvorhergesehenes gehört dazu

Unwägbarkeiten gehören zum Tagesgeschäft. Doch auch diese sind ? über statistische Daten und Erfahrungswerte ? in der engen Zeitvorgabe einzuplanen. Schließlich kann es sein, dass ein Patient gerade frühstückt, die ärztliche Visite läuft oder eine Pflegekraft noch den Patienten betreut. Der Putzdienst darf hier nicht stören, aber die Arbeit muss über alle Zimmer hinweg kontinuierlich gewährleistet sein.

Auf welcher Gratwanderung sich der Putzdienst täglich bewegt, erfährt Selvete Montanus auf ihrer Tour beim vorletzten Patientenzimmer im Gang vorne links: Dort steht ein leuchtend gelbes Hinweisschild mit der Aufschrift: ?Bitte vor dem Betreten beim Pflegepersonal melden?. Ein Patient hat eine Infektion oder ist wie etwa nach einer Lungentransplantation extrem geschwächt. Hier muss Montanus ? nach kurzer Absprache mit dem Pflegedienst ? besondere Vorkehrungen treffen, um sich und den Patienten nicht zu gefährden. Schnell schlüpft sie in den Schutzkittel, legt den Mundschutz an, setzt das Haarnetz auf, klopft an ? und öffnet dann behutsam die Tür zum Patientenzimmer ...      

 

 

Putzen nach Plan

Neben dem Essen zählen Sauberkeit und Hygiene laut Umfragen bei Patienten immer wieder zu den besonders wichtigen Bereichen. Wer hier als Krankenhaus punkten kann, hat für ein gutes Image schon sehr viel getan. Im Klinikum sind über 500 Mitarbeiter im Hausservice beschäftigt, um Operationssäle, Patientenzimmer, Stationsflure, Besuchertoiletten oder etwa Büroräume zu säubern.

Zeitlicher Aufwand und Nutzen sind dabei ganz entscheidende Größen, denn der Hausservice muss sich der Konkurrenz auf dem Markt stellen und Leistungsvorgaben erfüllen. Sozusagen Putzen nach Plan: Für ein Patientenzimmer mit zwei Betten und zwei Nasszellen hat eine Reinigungskraft im Schnitt zwölf Minuten Zeit; auf einen Stationstrakt hochgerechnet sind es inklusive der Flurreinigung fünf Stunden Arbeit. Für die sorgfältige manuelle Aufbereitung eines Patientenbetts (einschließlich Nachtkasten) werden 35 Minuten veranschlagt.

Insgesamt reinigt der Hausservice fast 200.000 Quadratmeter Bodenfläche im gesamten Klinikum. Schon sehr früh, um fünf Uhr morgens, sind Mikrofasertücher und Mopps mit der genau dosierten Reinigungslösung aufzubereiten. Ab sechs Uhr beginnt dann der Putzdienst mit der Reinigung verschiedenster Räume, Objekte und Oberflächen.

Jeden Monat kommen dabei rund 90.000 Putztücher und 200.000 Mopps zum Einsatz. Der Hausservice gehört zur KNSG (Klinikum Nürnberg Service Gesellschaft), einer Tochtergesellschaft des Klinikums.           

Autorin/Autor: Axel Bredehöft

 
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