Anästhesie - Erfolge einer gezielten Schmerztherapie
Viele Patienten, aber auch Ärzte und Pflegekräfte, sehen Schmerzen häufig noch als unvermeidbar an. Doch seit einigen Jahren setzt die Anästhesie – in enger Kooperation mit chirurgischen Fachdisziplinen – erfolgreich neue Formen der Schmerzbehandlung ein. Immer mehr Bedeutung gewinnt die gezielte Betäubung von Nerven, die eine nur auf das Operationsgebiet beschränkte Schmerzlinderung ermöglicht – so ähnlich wie die Spritze beim Zahnarzt. Das Verfahren der so genannten peripheren Katheterregionalanästhesie kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn eine Schmerztherapie über mehrere Tage notwendig ist oder bei Eingriffen, die erfahrungsgemäß nach der Operation unangenehme Schmerzen bereiten.
Dies ist etwa bei einem künstlichen Kniegelenk oder einer Operation im Bereich der Schulter der Fall. Hierzu wird vor der Operation ein ganz feiner Schlauch an die entsprechenden Nerven platziert, über den dann für einige Tage örtliche Betäubungsmittel zugeleitet werden. „Die Patienten können bereits einen Tag nach der Operation mit intensiver Krankengymnastik beginnen“, erläutert Oberarzt Dr. Klaus Pfeiffer. „Dann ist auch eine frühzeitigere Entlassung in die Reha möglich.“
Bei großen Operationen am Darm, anderen Bauchorganen oder der Lunge werden zunehmend bereits vor der Operation Schmerzkatheter gelegt. „Bei diesem Verfahren“, so der Chefarzt der Anästhesie und operativen Intensivmedizin, „spritzt der Anästhesist zunächst ein Betäubungsmittel an einer bestimmten Stelle in den Rücken. Über eine Hohlnadel schiebt er einen ganz dünnen Schlauch bis in die Nähe der schmerzleitenden Fasern des Rückenmarks in der Wirbelsäule vor.“ Anschließend erfolgt in Vollnarkose die Operation.
Nach dem Aufwachen erhält der Patient eine kleine Pumpe und kann per Knopfdruck bestimmen, wann er ein Schmerzmittel benötigt. Bei der so genannten patientenkontrollierten epiduralen Analgesie (Schmerzlosigkeit) – kurz: PCEA – ist der Katheter über einen Schlauch mit der Schmerzpumpe verbunden. Sie erfasst wichtige Daten über die gegebene Medikation wie etwa Dosierung und Zeitfolge. „Die Schmerzlinderung ist besser“, so Oberarzt Dr. Norbert Hammon, „die Durchblutung der inneren Organe wird gefördert und die Patienten können früher aufstehen und besser abhusten.“ Wer besser abhusten kann, ist in der Lage tiefer durchzuatmen und sammelt weniger Schleim in der Lunge, was die Gefahr einer Lungenentzündung deutlich verringert. Insgesamt verläuft die Heilung spürbar schneller.
Nach der Operation werden die angelegten Katheter täglich vom Schmerzdienst der Anästhesie kontrolliert und die Haut an der Eintrittsstelle des Katheters auf mögliche Entzündungen untersucht. Wichtig ist das tägliche Gespräch mit dem Patienten darüber, ob die Schmerztherapie zufriedenstellend verläuft oder ob es Probleme gibt.
Insgesamt wurden von der Anästhesie im letzten Jahr rund 1.400 Patienten mit Schmerzkathetern oder Schmerzpumpen versorgt. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist die enge Betreuung der Patienten durch Pflege und Schmerzdienst, um Komplikationen auszuschließen.
Oberarzt Dr. Dirk Risack erinnert sich an einen Fall, in dem eine älteren Patientin zu viel Medikamente aus einer Schmerzpumpe erhielt, weil ihr fürsorglicher Ehemann den Handauslöser bediente, während sie schlief. Dank guter Überwachung durch das Pflegepersonal fiel der Fehler rasch auf und blieb ohne Folgen. Derartige Situationen sind aber die Ausnahme. Insgesamt erlaubt eine gezielte Schmerztherapie, dass Patienten gerade bei den genannten schmerzhaften Operationen durchschnittlich drei bis vier Tage früher entlassen werden können.
Autorin/Autor: Axel Bredehöft
